Wien im Herbst ist die Stadt, wie sie sein will: kühler, ruhiger, mit einem Kalender voller Abende. Die Tage sind kurz genug für Kaffeehausnachmittage und lang genug für Weinberge, Prater und Kino. Wer die Stadt kennt, weiß: Im Oktober ist sie besser als im Juli.
Erst die Wiesn, dann das Rad
Vom 24. September bis 11. Oktober steht auf der Kaiserwiese im Prater die Kaiser Wiesn. Festzelte, Blasmusik, Dirndl und Lederhosen, alles ein paar Gehminuten vom Riesenrad entfernt, das seit 1897 seine Runden dreht. An den Wochenenden sind die Zelte früh voll, wer kommt, reserviert vorher oder geht unter der Woche.
Das Riesenrad im Prater, seit 1897 in Betrieb
Sturmzeit
Wiens kulinarischer Herbst heißt Sturmzeit. Sturm ist der junge, noch gärende Wein, trüb und süß, und es gibt ihn nur wenige Wochen im Jahr. In den Heurigen der Stadt wird er ab dem späten September ausgeschenkt, traditionell mit einer Brettljause daneben. In Grinzing, Nußdorf und Sievering sitzt man zwischen Weinbergen, wer es lokal mag, fährt in den 16. Bezirk, wo der 10er Marie seit Generationen der Nachbar-Heurige des Wohnzimmers ist. Danach der 38A zurück, oder ein Spazierweg über die Cobenzl-Kuppe.
Im Heurigen gehört der Sturm zur Brettljause
Kaffeehauswetter
Das Kaffeehaus ist Wiens Herbst-Wohnzimmer. Wenn draußen der Wind die Kastanien leert, sitzt es sich im Café Sperl oder im Café Central vor einem Einspänner besser als sonstwo. Zeitungen am Ständer, Kellner mit Geduld, keine Eile am Tisch: Nichts davon ist Marketing, alles davon ist Pflicht.
Viennale und Ausblick
Der Herbst gipfelt im Kino: Vom 22. Oktober bis 3. November läuft die Viennale, die 64. Ausgabe des Wiener Filmfestivals, verteilt auf Häuser wie das Gartenbaukino. Und ab Mitte November bauen die Christkindlmärkte auf. Der Weg vom Sturm zum Punsch ist kurz, und die Stadt schafft ihn ohne Pause.
Museen für die Regentage
Der Wiener Herbst bringt Tage, an denen das Wetter drinnen besser ist. Die Albertina am Ring zeigt Wechselausstellungen und die klassische Moderne, und der Blick von der Terrasse auf die Staatsoper gehört zum Besuch. Das Belvedere mit dem Kuss von Klimt ist das zweite Pflichtprogramm, und im Oberen Belvedere ist es morgens am leersten. Das Kunsthistorische Museum am Ring ist das dritte Haus der Stadt und das kunstvollste Kaffeehaus, weil in der Kuppelhalle zwischen den Gemälden Kuchen serviert wird.
Ein Tipp für die Vielleicht-Regentage: Die Passage zwischen den Museen ist kurz, und die Innenstadt verbindet alles. Wer einen Regentag in Wien plant, läuft von der Albertina über das KHM und endet im Café Sperl, und das ist ein perfekter Tag, auch ohne Sonne.
Anreise und Verkehr
Der Flughafen Wien-Schwechat liegt sechzehn Kilometer östlich der Stadt, und die City Airport Train-Verbindung fährt in sechzehn Minuten zum Bahnhof Wien Mitte. Die S-Bahn ist die billigere Alternative und hält öfter. Wer mit dem Zug kommt, landet am Hauptbahnhof, und die U-Bahn verteilt die Ankommenden in fünfzehn Minuten in die Innenstadt. Die Wiener Linien sind dicht, die Tageskarte gilt ab dem ersten Einstieg, und nachts fahren die Busse der Nightline.
Fazit
Wien im Herbst ist die Stadt in ihrer dichtesten Form: Veranstaltungen am Abend, Nebel am Morgen, und die Kaffeehäuser als Zuhause dazwischen. Wer die Sturmzeit kennt, kommt zurück.
Zwei Tage Wien: ein Plan
Tag eins beginnt am Ring: Frühstück im Kaffeehaus, dann die Albertina, der Burggarten und der Spaziergang zum Belvedere, das mittags die Sonne im Garten hat. Der Nachmittag gehört dem Naschmarkt und den Bürgerhäusern ringsum, der Abend einem Heurigen oder dem Restaurant im zweiten Bezirk. Tag zwei: Schönbrunn am Morgen, bevor die Reisegruppen ankommen, mittags ein langer Spaziergang durch den Augarten, und der Nachmittag dem Museumsquartier mit den Cafés dazwischen. Wer diesen Plan fährt, hat Wien im Herbst in seiner ganzen Breite, und der Sturm gehört in jeden der vier Abende.
Kaffeehaus-Knigge
Im Wiener Kaffeehaus gehört die Zeit zum Produkt: Wer bestellt, darf bleiben, und Zeitunglesen ist ausdrücklich erwünscht, die Zeitungsständer stehen dafür bereit. Die Melange ist der Klassiker der Karte: Kaffee mit heißer Milch und Milchschaum, serviert in der Tasse mit Wasserglas daneben. Wer lange sitzt, bestellt später einen zweiten Kaffee, das Personal lässt sich Zeit, und das ist keine Nachlässigkeit. In den traditionsreichen Häusern gilt der Anzug nicht als Pflicht, wohl aber eine gewisse Ruhe. Für die Wahl des Hauses gilt die Regel der Ecken: Die Konditoreien im 1. und 4. Bezirk sind die bekanntesten, die Häuser in den Außenbezirken die ehrlicheren. Wer Kuchen bestellt, fragt nach der Tageskarte, denn die Torten wechseln mit der Küche.
Bildnachweise: Schönbrunn: Herzi Pinki, CC BY-SA 4.0. Riesenrad: Dietmar Rabich, CC BY-SA 4.0. Heuriger: Otto Domes, CC BY-SA 4.0. Alle Bilder via Wikimedia Commons.