Mallorca hat ein Image, das die Insel seit Jahren nicht mehr verdient. Wer nur die Playa de Palma kennt, hat die falsche Hälfte gesehen. Die andere Hälfte liegt eine halbe Stunde entfernt: Hotels mit Butler-Service, Restaurants mit Michelin-Sternen und eine Küste, die man vom Wasser aus verstehen muss. Der Herbst ist die beste Zeit für diese zweite Hälfte.
Die vier Adressen, die zählen
Vier Häuser prägen den Insel-Luxus. Das St. Regis Mardavall im Südwesten richtet sich an Familien, die Butler-Service nicht als Widerspruch, sondern als Selbstverständlichkeit betrachten. Das Belmond La Residencia in Deiá ist das Gegenstück: ein Hotel, das im Dorf aufgeht, am Fuß der Tramuntana, mit Olivenhainen bis zum Horizont. Das Jumeirah Port Soller an der Nordwestküste ist im Stil einer alten Finca gebaut und hat den ruhigsten Blick der Insel, Richtung offenes Meer. Und das Castell Son Claret bei Es Capdellà ist ein Schlosshotel mit einem der schönsten Gärten Mallorcas.
Palma ist angekommen
Palma hat sich in den vergangenen Jahren zu einer der spannendsten Restaurantstädte des Mittelmeers entwickelt. Adrián Quetglas am Paseo de Mallorca kocht auf einen Stern, klassisch österreichische Wurzeln einmal ausgenommen, und Marc Fosh, ebenfalls ausgezeichnet, kocht leichter, als man es auf einer Insel erwarten würde. Danach ein Gang über den Paseo del Borne, die alten Innenhöfe der Casas señoriales, und Mallorca ist nicht mehr die Insel aus dem Pauschalflug-Klischee.
Es Trenc im Südosten: weißer Sand, Pinien, Dünenschutz
Vom Wasser aus
Die Küstenabschnitte, wegen derer Mallorca berühmt ist, sind vom Straßenrand aus kaum zu sehen. Der Cap de Formentor endet in Steilküsten, die von der Straße aus nur als Zickzack erlebbar sind. Ein Charter ab Port d'Andratx oder ab Palma löst das Problem an einem Tag: Buchten, die keinen Straßenzugang haben, Mittagessen an Bord und am Nachmittag das Licht auf der Nordwestküste. Wer es einfacher mag, nimmt die Barcos zur Dragonera oder mietet ein Boot in Sant Elm.
Port d'Andratx: Ausgangspunkt für Bootstouren an der Südwestküste
Warum der Herbst besser ist
Im September und Oktober stimmt auf Mallorca das Verhältnis von Preis und Ruhe. Das Meer ist mit über zwanzig Grad noch warm, die Buchten sind wieder leer, und in der Tramuntana beginnt die Wanderzeit. Das Gebirge ist seit 2011 UNESCO-Welterbe, die Wege zwischen Deiá, Valldemossa und Pollença sind im Herbst im besten Zustand. Die Hotels senken ihre Raten spürbar gegenüber Juli und August.
Anreise: Von den meisten deutschen Flughäfen dauert der Flug rund zwei Stunden. Ein Mietwagen lohnt sich für die Tramuntana, für Palma selbst ist er unnötig.
Golf, Segeln und die ruhige Seite des Sports
Mallorca hat über zwanzig Golfplätze, und die besten liegen in der Bucht von Palma und im Nordosten. Die Saison läuft im Herbst am besten: Die Plätze sind grün, die Greenfees unter dem Sommerpreis, und nach der Runde sitzt man draußen in der Sonne. Wer ohne Clubmitgliedschaft spielt, reserviert Startzeiten online und kommt morgens, wenn der Wind noch schläft.
Segeln ist die zweite Sportart der Insel. Die Buchten im Südwesten und die Inselgruppe vor Sant Elm sind Tagesrevier, die Marinas in Palma und Port d'Andratx verchartern Boote mit und ohne Skipper. Wer ohne Schein unterwegs sein will, bucht einen Skipper für den Tag und lernt dabei die Küste aus der Perspektive, die Mallorca überhaupt erst richtig macht.
Öl, Wein und die Märkte der Dörfer
Die mallorquinische Küche basiert auf zwei Zutaten, die man mitnehmen kann: Olivenöl und Wein. Das Öl der Insel ist grün und kräftig, und die Kellereien zwischen Binissalem und Consell verkaufen ab Hof. Die Rotweine aus Manto Negro sind weich und trinkbar, und die Weingüter der Insel haben im Herbst Hochsaison, weil die Lese läuft. Wer die Insel kulinarisch verstehen will, reserviert einen Tisch bei einem der Landgasthöfe, die mit eigener Fleisch- und Gemüseversorgung arbeiten.
Die Wochenmärkte sind die weiteren Adressen: Sineu mittwochs, Alcúdia dienstags und samstags; die Termine der übrigen Dorfmärkte stehen in jedem Inselkalender. Wer früh kommt, sieht die echten Händler, wer mittags kommt, die Touri-Version. Auf den Märkten gibt es Öl, Käse und Lederwaren, und Handeln ist üblich, aber nicht bei Lebensmitteln.
Finca-Hotels im Inland
Zwischen den Luxushäusern der Küste liegt die zweite Hotellerie der Insel: die Fincas im Inland, die Landhäuser mit wenigen Zimmern, Gärten und Pools zwischen Olivenhainen. Die Preise liegen unter den Resorts der Küste, die Stille liegt darüber, und das Frühstück kommt vom eigenen Hof. Wer die Insel auf der Straße zwischen Valldemossa, Sòller und Lluc bereist, wohnt richtig im Inland, und die Fahrt zur Küste ist die schönste der Insel.
Die Strände im Herbst
Das Mittelmeer speichert die Sommerwärme, und im Oktober liegen die Wassertemperaturen noch bei badbaren Werten, während die Liegen frei bleiben. Die Strände des Nordostens, die im Juli voll sind, haben im Herbst die Fläche für lange Spaziergänge, und die Strandlokale haben die Tische draußen stehen, solange die Sonne reicht. Wer die Insel ohne Badesaison sieht, verpasst nichts: Die Wärme bleibt, die Menge geht.
Fazit
Mallorca im Herbst ist die Insel, die man im Sommer sucht: leer, warm, mit Preisen unter dem Hochsommerniveau und einem Kalender, der ohne Lärm funktioniert. Wer die Luxusseite will, bekommt sie im September und Oktober besser als im August.
Ein Hinweis für Golfer: Die Greens der Insel sind im Oktober am besten bespielbar, und die Startzeiten sind ohne Sommerdruck frei. Wer die Kombination aus Törn und Runde plant, findet in der Bucht von Palma die kürzesten Wege zwischen Fairway und Hafen.
Straßen der Serra
Das Gebirge Serra de Tramuntana steht seit 2011 als Kulturlandschaft unter UNESCO-Schutz, und die Straße entlang der Westküste ist der schönste Weg durch die Insel. Die Stichstraße nach Sa Calobra windet sich in engen Serpentinen hinab zum Meer, ein Bauwerk aus den Dreißigerjahren, das Ampelstaus im Sommer kennt. Wer die Fahrten plant, startet früh morgens und meidet die Mittagszeit, denn die Kurven gehören den Bussen. Für Wanderer gilt die Regel der Monate: Die Wege entlang der Küste sind ab Oktober leer und ab Juni zu heiß. Und für den Abend: Die Orte an der Serra haben die besten Sonnenuntergänge, und die Restaurants dort servieren, was die Terrassen der Saison hergeben.
Bildnachweise: Cap de Formentor: Thomas Wolf, foto-tw.de, CC BY-SA 3.0 DE. Es Trenc: AlbertoDV, CC0. Port d'Andratx: Chixoy, CC BY-SA 4.0. Alle Bilder via Wikimedia Commons.