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Destinationen · Städtereise

Lissabon im Herbst: Lichter von Alfama und der Tejo

🗓 3. Oktober 2026
⏱ 8 Min. Lesezeit
✍ Von Tino Schreder
📂 Destinationen

Lissabon im Oktober ist die Stadt, die man sich im Juli gewünscht hat. Die Hitze ist weg, das Licht bleibt, und der Atlantik gibt dem Himmel eine Klarheit, die es im Sommer nicht gibt. Die Touristengruppen dünnen aus, die Tavernen füllen sich mit Einheimischen, und die Preise der Hotels fallen um ein Drittel. Wer die Stadt zum ersten Mal besucht, macht im Herbst nichts falsch.

Das erste Bild, das man von Lissabon mitnimmt, ist fast immer dasselbe: die Terrassen von Alfama, rot und weiß bis zum Fluss, mit Wäscheleinen zwischen den Antennen. Alfama ist das älteste Viertel der Stadt, es hat das Erdbeben von 1755 überstanden, das den Rest Lissabons zerstörte, und es wuchert die Hänge hinauf, als hätte jemand Häuser gestreut und den Zufall bauen lassen. Man verläuft sich hier mit Absicht, denn die Gassen sind zu schmal für Pläne, und jede Kurve endet entweder an einer Kirche oder an einem Miradouro mit Blick auf den Tejo.

Blick über Alfama auf den Tejo

Alfama von den Miradouros über dem Tejo, am Morgen fast menschenleer

Die Bahnen der Stadt

Lissabon ist eine Stadt der Bahnen, und zwei davon sind Pflicht. Der Elevador da Bica fährt seit 1892 eine Gasse hinauf, die so steil ist, dass die Wagen an Seilen gezogen werden müssen, und die Straße gehört den Schienen, nicht den Autos. Die Route ist kurz, die Fahrt dauert wenige Minuten, und der Lohn ist die optische Linie: die gelben Wagen vor den alten Fassaden, das Bild, das Lissabon berühmt gemacht hat. Wer eine halbe Stunde früh kommt, hat die Straße für sich.

Die Tram 28 ist die zweite Pflicht, und sie ist ein Leiden, das man eingeht, weil es sich lohnt. Die kleine gelbe Bahn quält sich durch Alfama, Graça und Estrela, an Kirchen vorbei und durch Gassen, in denen die Spiegel der Häuserwände den Gegenverkehr retten. Wer die Fahrt ohne Gedränge will, fährt um acht morgens, wenn die Bahn den Schülern der Stadt gehört und nicht den Fotografen. Wer um Mittag einsteigt, steht. Das ist keine Warnung, es ist eine Empfehlung mit Zeitangabe.

Elevador da Bica in Lissabon

Der Elevador da Bica auf seiner Gasse, seit 1892 im Betrieb

Belém und das Wasser

Der Weg nach Belém führt am Ufer entlang, fünf Kilometer flussabwärts, und die Strecke gehört den Radfahrern und den Linden. Belém ist der Stadtteil der Entdeckungen, hier standen die Karavellen, die nach Indien aufbrachen, und der Turm von Belém ist das Denkmal, das davon übrig blieb. Er steht seit dem frühen 16. Jahrhundert im Wasser, ein Wahrzeichen aus Kalkstein, das man vom Ufer aus fotografiert und aus der Nähe unterschätzt, weil es kleiner ist, als es auf den Bildern verspricht. Wenige Gehminuten entfernt liegt das Mosteiro dos Jerónimos, die Klosterkirche, die Manuel der Erste als Dank für die Seefahrt baute, und ihr Kreuzgang gehört zu den ruhigsten Orten der Stadt.

Das Drittel von Belém ist ein Geheimnis mit Schlange: die Pastéis de Belém, seit 1837 in der Backstube neben dem Kloster gebacken, warm serviert, mit Zimt und Puderzucker vom Tisch. Die Warteschlange am Eingang ist die längste der Stadt, aber sie bewegt sich, und die Sala im Inneren ist ein Café, das die Zeit der Dampfschifffahrt konserviert hat.

Torre de Belém am Tejo

Der Turm von Belém, seit 1983 Unesco-Welterbe

Praktisch

Anreise: Nonstop-Flüge von Frankfurt, München und Köln dauern rund drei Stunden. Der Flughafen liegt nah an der Stadt, die Metro fährt ihn in einer halben Stunde an, ein Taxi braucht je nach Verkehr zwischen zwanzig Minuten und einer Stunde. Beste Zeit: September bis November, wenn das Licht hart und das Wetter lauwarm ist, und wieder von März bis Mai. Der Sommer ist heiß, voll und teuer. Budget: Lissabon ist die letzte Hauptstadt Westeuropas, in der ein Abendessen für zwei unter achtzig Euro bleibt, wenn man den Fischmarkt respektiert und die Hotelfenster meidet. Die Metro der Stadt ist sauber, sicher und mit Einzelfahrten um die anderthalb Euro eine der günstigsten Europas.

Fazit

Lissabon im Herbst ist keine Entdeckung mehr, aber die Jahreszeit ist es: dieselbe Stadt, ein Drittel der Menschen, das bessere Licht. Wer warten kann, wartet bis Oktober.

Bildnachweise

Alfama: Jens Cederskjold, CC BY-SA 2.0. Elevador da Bica: Pmk58, CC BY-SA 4.0. Torre de Belém: Rodrigo Tetsuo Argenton, CC BY-SA 4.0. Alle Aufnahmen via Wikimedia Commons.

Auf und ab mit System

Lissabon ist eine Stadt der Aufzüge: Der Elevador de Santa Justa verbindet die Unterstadt mit dem Chiado, und die Standseilbahnen erklimmen die Hügel der einzelnen Bezirke, alle zählen als öffentliche Verkehrsmittel. Die Straßenbahn 28 ist die berühmteste Linie der Stadt, und wer sie ohne Gedränge fahren will, startet am frühen Vormittag am Endpunkt Martim Moniz. Für die Bezahlung gilt die Viva-Viagem-Karte, die in Bahnen, Bussen und Bahnen der Standseilbahnen gilt und am Automaten geladen wird. Wer die Aussichtspunkte plant, verbindet sie zu Fuß: Die Wege zwischen den Miradouros liegen bei zehn bis zwanzig Minuten, und die Steigung gehört zum Vergnügen. Und nach dem Regen: Die Kalksteinplatten sind glatt, Schuhe mit Profil machen den Unterschied.